Saison 2006/2007
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Es baut sich hier ganz langsam etwas auf“

Die Tristesse der zuletzt im RheinEnergieStadion gezeigten spielerischen Leistungen ist geblieben. Doch das Ergebnis war ein anderes. Der 1. FC Köln hat tatsächlich nach sieben vergeblichen Versuchen seit September des vergangenen Jahres wieder erstmals ein Heimspiel gewonnen. Mit den Erfolgen kommt das Selbstvertrauen“, orakelte FC-Coach Christoph Daum nach dem uninspirierten Gekicke seiner Elf beim 1:0-Sieg gegen den FC Carl-Zeiss Jena. Wichtig war, dass wir die Null gehalten und kaum Chancen zugelassen haben. Es baut sich hier ganz langsam etwas auf.“
 
Über das Spiel braucht man nicht viele Worte verlieren. Christoph Daum hatte bereits im Vorfeld ein Geduldsspiel angekündigt und mit einer Viererkette und zwei defensiven Mittelfeldakteuren begonnen. Gegen Jena, das mit 37 Gegentreffern vor dem Spiel die Schießbude der Liga stellte, agierte der FC bemüht, aber weitgehend planlos und über weite Strecken auch erschreckend harmlos. Erst durch die Einwechslung seines Edeljokers“ Matthias Scherz kam nach einer Stunde etwas Schwung ins Kölner Spiel.


Die Fans kündigen Patrick Helmes die Freundschaft
 

Das Tor des Tages resultierte aus einer Kette von Fehlern. Es begann in der 83. Minute mit einem Einwurf für Köln, der eigentlich Jena hätte zugesprochen werden müssen. Nach einer planlos hereingeschlagenen Bogenlampe von Peter Madsen, ließ Jenas Torhüter Giorgi Lomaia nach Behinderung durch einen eigenen Mitspieler den bereits gefangenen Ball wieder fallen. Anschließend rannte er den Kölner Tiago über den Haufen. Es folgte zur Erleichterung der 42.500 angesichts der schwachen FC-Vorstellung erstaunlich milde gestimmten Zuschauer der erlösende Elfmeterpfiff. Matthias Scherz verwandelte sicher. 1:0 gewonnen und Schwamm drüber.
 
Jetzt folgen für die seit vier Spielen (!) ungeschlagenen Kölner zwei lösbare Auswärtsaufgaben bei den Abstiegskandidaten Braunschweig und Essen. Während sich die Kölner sportlich also ein bisschen berappelt haben, tun sich wieder andere Baustellen auf. Die Personalie Patrick Helmes, der so schnell wie möglich nach Leverkusen wechseln will beschäftigt nach den Hasstiraden zwischen Christoph Daum und Bayers Sportdirektor Rudi Völler die Fans. Auf riesigen Transparenten beschimpften sie ihren ehemaligen Liebling derb: Patrick Helmes Bomber der Liga??? Charakterschwein. Verpiss Dich und komme nie wieder.“ Christoph Daum kommentierte die Spruchbänder mit nicht die gehobene Prosa, dafür prägnant und verständlich“. Dann nahm er den Spieler in Schutz und erklärte dessen Berater Gerd vom Bruch zum Sündenbock. Er hat im Bayer-Kreuz wohl nur Dollarzeichen gesehen.“
 
Abschließend noch ein Interview mit dem Neuzugang Marius Johnsen, der auf der linken Seite Akzente setzen sollte, aber laut Daum noch mehr bringen muss. Er hat noch nicht so für Gefahr gesorgt.“ Der sympathische 25-jährige Norweger parierte die Fragen bereits überwiegend auf deutsch und nur mit einigen (von uns übersetzten) englischen Anleihen.


Marius Johnsen gefällt es in Köln super.
 


BBB: Marius Johnsen, Glückwunsch zum Sieg. Wie haben Sie Ihr erstes Heimspiel in Köln erlebt?
Johnsen:
Es war sehr schön, eine gute Erfahrung vor 42.000 Zuschauern zu spielen. Wir haben kein sehr gutes Spiel gemacht, aber die drei Punkte geholt. Das war das Wichtigste.
 
BBB: Wir haben heute hier ein Geduldsspiel gesehen. Müssen die Fans solche Spiele einfach ertragen?
Marius Johnsen:
Ich kann die Zuschauer verstehen. Aber für uns waren die drei Punkte wichtig. Wir haben heute nicht unser bestes Spiel gezeigt. Wenn man aber schlecht spielt und trotzdem gewinnt, gibt einem das Selbstvertrauen. Wir müssen unser Spiel sicher noch verbessern, aber wir haben die drei Punkte.
 
BBB: Sie waren für die linke Abwehrseite zuständig, hatten da aber nicht viel Defensivarbeit zu verrichten. Stattdessen tauchten Sie immer wieder vorne auf und haben laut Statistik mit vier Schüssen sogar die meisten Schüsse aufs Tor von Jena abgefeuert.
Johnsen:
Mein Job ist schon eher defensiv, ich bin Abwehrspieler. Mein Abschluss war heute nicht so gut. Ich kann es jedenfalls besser. Ich hoffe, das wird im nächsten Spiel besser. Vielleicht klappt es dann auch mit einem oder zwei Toren.
 
BBB: Sie haben das erste Rückrundenspiel in Köln verletzungsbedingt verpasst. Wie fit sind Sie heute?
Johnsen: Das ist ausgestanden. Ich bin jetzt fit. Aber ich brauche noch ein paar Wochen, um in Topform zu kommen. Und auch die Mannschaft braucht noch etwas Zeit. Dann wird auch das Zusammenspiel besser.
 
BBB: Sie sind jetzt seit fünf Wochen in Köln. Wie gefällt es Ihnen hier?
Johnsen: Super. Ich freue mich darüber, wie gut die ersten Wochen waren. Die Stadt gefällt mir sehr. Das Stadion ist super, die Zuschauer sind unglaublich. Wir haben gewonnen. Ich bin sehr zufrieden. 

Tobias Gonscherowski