Saison 2006/2007
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Große Schnauze, nichts dahinter“

Kein Trainer kann so verkehrt trainieren, dass die Mannschaft solch eine Leistung abliefert. Hier fallen einem langsam nicht mehr viele Erklärungen ein“, kommentierte Christoph Daum in ungewohnter Schärfe die erneut miserable Vorstellung seiner Mannschaft. Der Trainer ging auf Distanz zu seiner Elf, die sich doch für das erste Spiel im Jahr 2007 so viel vorgenommen hatte. Das Ergebnis: ein 1:1 gegen den braven und biederen Aufsteiger aus Augsburg.
 
Nichts hatte sich gegenüber dem Horrorjahr 2006 gebessert. Wie in so vielen Partien der indiskutablen Hinrunde gab auch dieses Mal wieder ein frühes Tor (9. Minute Novakovic) keine Sicherheit. Was der FC zwischen der 15. und 45. Minute zusammen kickte, hatte mit professionellem Fußball aber auch gar nichts zu tun. Und in der 2. Spielhälfte lief es abgesehen von einer einzigen Großchance von Novakovic kurz vor Schluss auch nur marginal besser.

Christoph Daum wendet sich mit Grausen ab.

Wir haben den Augsburgern nach dem Tor das Spiel überlassen, uns zurückgezogen und den Gegner kommen lassen. Wir haben zugeschaut und die Augsburger eingeladen. In der zweiten Halbzeit haben wir ein bisschen mehr Druck aufgebaut, aber kaum Torchancen gehabt, nur eine hochkarätige. Mehr fällt mir zu diesem Spiel nicht ein“, so Daums Analyse. Ich sehe nicht mehr ein, solche Leistungen toll zu reden.“
 
Doch dann fiel ihm noch eine ganze Menge ein. Viele haben den Anspruch, dass der FC vorne dabei ist und um den Aufstieg in die 1. Liga kämpft. Die Realität sieht anders aus. Einige meiner Spieler sind fehl auf dem Platz. Auf Kölsch würde man wohl sagen: Große Schnauze, nichts dahinter. Sie haben gezeigt, wozu sie nicht in der Lage sind.“
 
Deshalb wartet Daum sehnsüchtig darauf, dass seine Neuzugänge bald einsatzbereit sind. Wir müssen schnellstmöglich das Bild der Mannschaft mit Neuzugängen verändern. Mir fallen nicht mehr viele positive Worte zu dem ein, was ich auf dem Spielfeld gesehen habe. Das Minimum ist doch, dass ich mich verausgabe, mich voll einsetze. Einige haben nicht einmal das gezeigt.“

FC-Gewürge ohne Ball.

Die Daumsche Mängelliste geht weiter: Dann die Standards. Wir hatten 15 bis 20 Freistöße und Eckbälle und machen nichts draus. Da tut sich herzlich wenig bis gar nichts.“
 
Keine Erklärung hatte er für den Einbruch seiner Truppe nach der frühen Führung. Was nach dem 1:0 passiert ist, ist ein Geheimnis der Mannschaft. Es waren wundersame Abläufe. Das war nicht nachvollziehbar. Es war so, als hätten die Spieler, unsichtbar gesteuert, zurückgeschaltet. Es hatte sogar den Anschein, als würden sie sich gegenseitig herunterziehen: Tust du weniger, tue ich auch weniger. Sie haben drei Gänge zurückgeschaltet. Einige haben nicht kapiert, was es heißt, für einen Sieg alles zu geben.“
 
Auf die Frage, ob er eine kranke Mannschaft übernommen habe, sagte Daum: Es gibt zwei Möglichkeiten für solch eine Leistung. Entweder spielt die Mannschaft unter Wert. Oder sie spielt das, was sie kann und mehr ist nicht drin. Wenn nicht mehr drin ist, kann man den Spielern nicht böse sein.“
 
Daums Schlusswort: Ich habe das Wort Aufstieg nicht in den Mund genommen. Ich klammere mich da aus. Viele Experten haben ja gesagt, dass dies unmöglich ist. Ich denke von Spiel zu Spiel. Wichtig ist eine andere Überzeugung. Wir verlangen den Zuschauern viel Leidensfähigkeit ab. Aber auch die sind nicht unbegrenzt belastbar. Was wir heute gezeigt haben, will keiner sehen.“
 
Ob und wie lange sich der erfolgsverwöhnte Coach solche Darbietungen weiter anschaut, bleibt abzuwarten. Auch seine Leidensfähigkeit dürfte nicht unendlich sein. Doch auch wenn Christoph Daum eine völlig verunsicherte und falsch zusammen gestellte Mannschaft übernommen hat. Für die sportliche Leistung beim Rückrundenauftakt trägt er nach der intensiven Vorbereitung auf die Rückrunde ein gehöriges Maß an Verantwortung. Auch dessen sollte er sich bewusst sein.
 
Tobias Gonscherowski