Saison 2006/2007
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Vielleicht tut uns die Niederlage sogar
ganz gut“

Die Hoffnung trog. Die Hoffnung, dass mit der Verpflichtung des Startrainers Christoph Daum und dem glücklichen 2:1-Sieg in Fürth nun die Wende und der Beginn der großen Aufholjagd des 1. FC Köln herbeigeführt sei. Es kam wieder einmal ganz anders, und es kam wieder einmal noch schlimmer als zuvor. Nichts wollte klappen an diesem trüben Dezemberabend vor 48.000 Zuschauern im RheinEnergieStadion.
 

Die Fotografenmeute wartet auf den ersten Auftritt von Christoph Daum.
 
Der 1. FC Köln agierte hilflos, planlos, kopflos, hektisch und völlig verunsichert. Beim ersten Gegentor sah Keeper Stefan Wessels schlecht aus. Beim zweiten Gegentreffer patzte die gesamte Abwehr mit haarsträubenden Fehlern. So etwas sieht man selbst in der Kreisliga nur sehr selten“, analysierte Reiner Calmund in der Halbzeit knallhart. Da führte der MSV Duisburg folgreichtig bereits mit 2:0 dank der beiden Treffer von Markus Daun, der sich nach dem Spiel als FC-Fan outete und dem Club eher mitleidig immer noch den Aufstieg wünschte.
 

Aber den können sich die Kölner in dieser Verfassung abschminken. Nach der Pause das gleiche Bild. Konfuse Kölner, die sich in Form des übermotivierten Alpay per Ampelkarte selbst dezimierten, das 0:3 nach schnellem Konter durch Klemen Lavric. Der Kölner Ehrentreffer des Debütanten Tripodi fiel in der Nachspielzeit.

MSV-Stürmer Markus Daun war der Matchwinner
 
Matchwinner des Abends war also nicht Christoph Daum, sondern MSV-Angreifer Markus Daun, jener Daun, der mehrmals mit dem FC verhandelte, sich dann aber immer gegen die Geißböcke entschied. So verkehrt war diese Entscheidung offensichtlich nicht.
 
Nach dem Spiel sagte Christoph einige bemerkenswerte Sätze in der Pressekonferenz. Etwa: Ich wollte einigen Spielern die Möglichkeit geben, mich zu überzeugen. Ich habe Rückmeldung bekommen.“ Oder: Vielleicht tut uns diese Niederlage sogar ganz gut. Sonst hätte es geheißen, kaum ist der Daum da, schon gewinnt die Mannschaft in Fürth und dann gegen Duisburg. Wir haben viel harte Arbeit vor uns. Das setzt bei mir aber nur zusätzliche Energien frei.“ Anschließend stand er noch ausführlicher Rede und Antwort.
 


Frage: Was macht Ihnen nach der heutigen Niederlage gegen den MSV Duisburg noch Hoffnung auf den Aufstieg?
Christoph Daum: Die Überzeugung, dass Spieler lernfähig sind. Die Überzeugung, dass man sich aus einer schwierigen Situation gemeinsam befreien kann. Die Überzeugung, dass wir in den vor uns liegenden Trainingseinheiten nicht nur auf dem Platz, sondern auch in den Besprechungen besser werden. Und dass wir dann die notwendigen Erfolge einfahren, Punkte sammeln, womit auch wieder das Selbstvertrauen wächst, damit die Mannschaft dann auch wieder ein Spiel dominieren kann. Im Augenblick bringen wir uns eigentlich selber um den Lohn. 
Wir haben eigentlich ordentlich, diszipliniert, kompakt stehend begonnen und haben dann uns dann selbst auf die Verliererstraße gebracht, wobei ich sagen muss: Okay, beim ersten Tor sieht der Stefan sicherlich, wenn der Ball mitten aufs Tor geht, nicht gut aus. Aber ein Torhüter muss immer ein bisschen vor dem Tor stehen. Da muss ich den Schützen eben blocken. Er hat in einer Situation danach gezeigt, als auch eine abgerutschte Flanke immer länger wurde, dass er hellwach war und mit einem Schritt rückwärts und Übergreifen den Ball fast aus dem Winkel rausgehauen hat. Das zeigt mir auch, dass er nach so einem Tor weiter stabil bleibt. Das macht mich zuversichtlich.  
Das andere Gegentor, na ja. Wenn man im 16er anfängt, sich so den Ball zuzuspielen, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn man gegen so eine starke Mannschaft wie der MSV Duisburg, die dann Druck aufbaut und Fehler provoziert, wenn man sich dann sich fast selber das zweite Tor reinhaut. Da muss ich aber auch sagen, dass Duisburg eine Klassemannschaft, eine gewachsene, gestandene Mannschaft haben, die sich dann auch immer stärker präsentiert. Mit den von mir erhofften Impulsen und Umstellungen in der zweiten Halbzeit ist auch nur die Hoffnung übrig geblieben. Aber wir wissen ja alle: Das Letzte, was wir aufgeben, ist die Hoffnung.

Frage: Jetzt kommt auch der Zeitfaktor, den Sie in der Pressekonferenz angesprochen haben, erschwerend hinzu. Warum haben Sie, der eigentlich niemandem mehr etwas beweisen muss, was die fußballerische Qualität angeht, dieses Unternehmen nicht angenommen unter dem Aspekt: Ich baue in Ruhe eine Mannschaft auf, meine Mannschaft?
Daum: Das wollen wir ja auch machen. Es gibt unterschiedliche Ziele. Und das eine Ziel war und ist, sich bis Weihnachten eine optimale Ausgangsposition zu verschaffen und dann in der äußerst kurzen Vorbereitungszeit im Januar schon entsprechende Impulse und Korrekturen hier zu setzen. Davon gehen wir auch nicht ab. Aber ich gebe erst einmal dieser Mannschaft, diesen Spielern die Chance zu zeigen, dass sie diesen Weg erfolgreich mitgehen.  
Dafür ist es erst einmal notwendig, dass wir eine positive Zweikampfbilanz haben. Denn die Mannschaft, die die Mehrzahl der Zweikämpfe gewinnt, die wird auch mehr Spielanteile und mehr Torchancen haben, ein Spiel zu gewinnen. Es wird nicht immer so sein wie letzte Woche in Fürth, dass der von der Zweikampfbilanz eigentlich Unterlegene als Sieger den Platz verlässt. Das ist eine Ausnahmesituation.

Frage: Haben Sie den Eindruck, dass die Mannschaft heute dem Druck nicht ganz stand halten konnte? 50.000 Menschen im Stadion und alle freuen sich auf eine Wende in der Saison. War das eine Herausforderung zu viel?
Daum: Nein, das ist für mich eine tolle Situation vor so einer Kulisse zu spielen. Etwas Schöneres gibt es für einen Fußballspieler doch nicht. Wir haben unsere gemeinsame Marschroute besprochen unabhängig vom phantastischen Publikum, das es hier gibt. Das haben wir auch bis zum 0:1 ganz gut beibehalten. Ich habe die Mannschaft bestärkt, nicht von der Linie abzugehen. Aber sie sind von der Linie abgegangen. Wenn du von dieser Linie – sicher zu stehen, kompakt zu stehen, hinten absolut ohne Risiko zu spielen – abweichst, dann brauchst du dich nicht zu wundern, wenn du plötzlich 0:2 hinten liegst. Ich glaube, da haben sich einige schon gewundert, nachdem wie wir im Trainings sehr, sehr gut gearbeitet haben.  
Das Entscheidende war, dass wir in der zweiten Halbzeit nicht mehr die Wende herbeiführen konnten innerhalb dieses Spiels. Weder mit den Einwechslungen, noch dass wir kontrolliert und diszipliniert das Ding zu Ende gespielt haben. Im Gegenteil. Wir haben uns durch eine Situation, in der der Alpay zu viel riskiert hat, selber dezimiert.  
Da habe ich trotzdem noch gedacht, dass man auch mit zehn Mann noch Unmögliches gemeinsam zustande bringen. Dass wir den Anschlusstreffer erzielen. Aber die Duisburger standen zu gut und haben dann hochverdient das 3:0 gemacht und das 3:1 war nur noch eine Schönheitskorrektur, bei der wir zu spät signalisiert haben: Wir leben noch.
 
Tobias Gonscherowski