Saison 2006/2007
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Momentan ist der Wurm drin“

Der 1. FC Köln ist wieder einmal an einem neuerlichen Tiefpunkt angelangt. Nach einer erschreckend schwachen, völlig uninspirierten Vorstellung beim 0:1 gegen ein biederes Gästeteam aus Aue hatten die leiderprobten, immerhin 34.000 FC-Fans die Schnauze voll“. Seit der Verletzung von Mittelstürmer Patrick Helmes blieb der FC damit im sechsten Spiel in Serie ohne Sieg. Den Anschluss an die Aufstiegsränge haben die Kölner erst einmal für Wochen verpasst. Mit Leistungen wie gegen Aue kann der FC selbst in der 2. Liga nicht bestehen.

Die Partie gegen die bislang auswärts sieglosen Gäste war eine einzige spielerische Bankrotterklärung. Trotz klarer Feldvorteile erspielten sich die Kölner nur eine einzige nennenswerte Torchance durch Chihi Mitte der zweiten Hälfte, die der ansonsten kaum geforderte Gästekeeper Bobel meisterte. Ansonsten stolperten Novakovic, Scherz und Co. den Katastrophenpässen von Broich, Cabanas oder Epstein hinterher. Lediglich Chihi und Wessels präsentierten sich halbwegs zweitligatauglich. Ihr macht den FC kaputt“ skandierten die lange Zeit geduldigen, aber am Ende völlig frustrierten Fans, die auch erstmals, wenn auch nur vereinzelt, den Rausschmiss des Trainers forderten.


Nach den schwachen Leistungen bleiben die Zuschauer weg.

Hanspeter Latour wirkte nach Spielende konsterniert. Wir hatten zwar Druck aufgebaut, aber es mehr über die Brechstange versucht“, analysierte er richtig. Das Spiel war enttäuschend. Wir hatten kein besseres Ergebnis verdient.“ Auf die Frage nach seiner weiteren Zukunft meinte der Coach: Ich habe nie an meine Person gedacht. Aber ich weiß, dass wir hinter der Zielsetzung des Clubs liegen.“


FC-Trainer Hanspeter Latour wirkte nach dem Spiel angeschlagen.

Manager Michael Meier rang nach dem Debakel nach Worten. Ich bin sehr enttäuscht über das, was die Mannschaft geboten hat. Das ist ein Stich in die Seele. Insofern muss ich mich auch für meine vollmundigen Ankündigungen entschuldigen. Das war wohl eine völlige Fehleinschätzung dessen, was ich eigentlich von der Mannschaft erwartet habe.“ Auf die Frage, ob Latour am kommenden Spieltag in Freiburg noch auf der Bank sitze, antwortete Meier: Ich habe da zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage zu machen. Die Dinge müssen erst einmal analysiert werden, die müssen erst einmal verarbeitet werden. Es ist müßig, dass Sie jetzt eine Entscheidung von uns innerhalb von einer Woche erwarten. Diese Niederlage in Koblenz hat uns völlig unvorbereitet getroffen. Und die Niederlage jetzt gegen Aue ist für mich völlig unverständlich.“


Von der Mannschaft stellten sich lediglich Torhüter Stefan Wessels und Kapitän Ricardo Cabanas der Presse. Hier die Aussagen des Torwarts.

Frage: Was ist gegen Aue schief gelaufen?
Stefan Wessels: Wir haben uns viel vorgenommen. Nach dem Koblenz-Spiel wollten wir die Auer gleich unter Druck setzen. Leider war es nicht so. Aue hat frech nach vorne gespielt und hatte gleich am Anfang ein, zwei Chancen. Dann gingen sie leider 1:0 in Führung. Es wird dann für uns viel schwieriger. Das war das Schlechteste, was uns passieren konnte. Wir konnten unsere Chancen nicht nutzen.

Frage: Fehlt der Mannschaft das Selbstvertrauen?
Wessels: Wir haben im Moment das Problem wie schon in Koblenz, dass sich die Mannschaften hinten reinstellen. Wenn wir dann in Rückstand geraten, dann wird es noch enger. Momentan finden wir nicht die Lösung, trotzdem zu vielen Chancen zu kommen oder die wenigen zu verwerten.

Frage: Wie geht es weiter? Am Sonntag geht es nach Freiburg.
Wessels: Das einzig Positive ist, dass wir die Wiedergutmachung, die wir heute schon vorhatten, am Sonntag machen können.

Frage: Erreicht der Trainer noch die Mannschaft?
Wessels: Klar. Es ist heute nicht am Willen gescheitert. Es ist momentan der Wurm drin. Wir haben einen ärgerlichen Ballverlust, geraten in Rückstand und machen die Tore nicht.

Frage: Wie haben Sie die Stimmung der Fans erlebt?
Wessels: Gerade die Südkurve hat uns bis zur 60., 70. Minute gut unterstützt. Dass die Fans sauer sind, ist doch verständlich. Es kann nicht unser Anspruch sein, zuhause gegen Aue zu verlieren und als 8. oder 9. auf dem Platz zu stehen. Natürlich ist es auch für uns nicht einfach, wenn Unmutsbekundungen kommen, selbstbewusst weiter zu spielen. Aber wir haben es selbst in der Hand. Wenn wir ein Tor geschossen hätten, wäre das Stadion wieder hinter uns gewesen.

Frage: Wie erklären Sie sich diese totale Verunsicherung der Mannschaft?
Wessels: Wir haben eine junge Mannschaft. Ich bin jetzt einer der wenigen, die schon länger in Köln sind. In guten Zeiten steht das Stadion sensationell hinter einem. Aber in diesen Zeiten kommen logischerweise Unmutsbekundungen. Man muss mit dem Unmut umgehen können. Es ist natürlich nicht erstrebenswert, dass eine Verunsicherung da ist, aber ich denke, das ist irgendwo auch menschlich.

Frage: Ein Drittel der Saison ist gespielt. Der FC liegt fünf Punkte hinter einem Aufstiegsplatz. Wo steht der Verein?
Wessels: Mit Sicherheit nicht da, wo wir sein wollen. Natürlich haben wir uns das nach einem erfolgreichen Saisonstart anders vorgestellt. Wir wollten uns ganz oben festsetzen. Das ist uns in den letzten Spielen leider nicht gelungen. Dass wir Potenzial haben, haben wir gezeigt. Aber wir müssen es Woche für Woche abrufen und nicht nur ab und zu.

Frage: Seit Patrick Helmes verletzt ist, kann der FC nicht mehr gewinnen. Wie schwer wiegt der Verlust?
Wessels: Er hat bis zu seiner Verletzung sehr stark gespielt und viele Tore gemacht und uns geholfen. Aber letzten Endes hat er nicht alleine gespielt. Es hat die ganze Mannschaft gespielt. Es ist keine Frage, dass er uns fehlt. Aber es wäre nicht ganz gerecht, dass alles nur an ihm fest zu machen.

Frage: Welche Möglichkeit hat der FC jetzt, kurzfristig aus dieser Negativ-Spirale heraus zu kommen?
Wessels: Wir müssen wieder Selbstbewusstsein fassen und sehr aggressiv am Sonntag in Freiburg spielen. Da werden nach den letzten Spielen einige nicht auf uns wetten. Vielleicht können wir dann mal eine Überraschung schaffen.

Tobias Gonscherowski