Jahrgang 2005
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Verlagssonderveröffentlichung / Anzeige

Als dritter Versorgungszweig der Stadtwerke nach Gas (seit 1868) und Wasser (seit 1894) kam 1907 die Stromversorgung hinzu. Vorangegangen war ein Beschluss des Gemeinderats vom 1. Februar 1906. Darin einigten sich die Ratsmitglieder darauf, ein eigenes Elektrizitätswerk zu errichten, unter der Bedingung, dass die im Bericht des Direktors der Gasfabrik (Albrecht Schulte-Hostedde, die Red.), insbesondere die Rentabilitätsberechnung im Großen und Ganzen zutreffend sind.” Nach Prüfung und Bestätigung dieser Rentabilitätsberechnung durch die Firma Siemens & Schuckert bewilligte der Gemeinderat am 8. März 1906 die erforderlichen Mittel. Für den Bau eines städtischen Elektrizitätswerks wurde bei der Bank Hassenger & Co. eine Anleihe in Höhe von 114.000 Mark aufgenommen, die im Februar 1908 noch einmal um weitere 48.000 Mark aufgestockt werden musste.
 

 
Am 12. April 1906 wählte der Gemeinderat eine neunköpfige Elektrizitätskommission, die im folgenden halben Jahr Bedingungen für die Abgabe von Elektrizität sowie die Sicherheitsvorschriften für Installateure ausarbeitete. Weiterhin erhielt der Bürgermeister im Februar 1907 die Vollmacht, einen Vertrag abzuschließen, der die Benutzung von Provinzialstraßen betraf, zur Anlegung der Niederspannungsfreileitungen von 100 Ampere Stärke und 2 x 220 Volt Spannung durch das städtische Elektrizitätswerk.
 
Nachdem alle erforderlichen Vorbereitungen getätigt waren, konnte das städtische Elektrizitätswerk im Juli 1907 in einem Gebäude auf dem Grundstück des Gaswerks in Betrieb genommen werden. Die Stromerzeugung erfolgte durch Gleichstromgeneratoren mit Sauggasmotorbetrieb. Im ersten Betriebsjahr war der Kundenstamm noch überschaubar. 49 Kunden bezogen elektrischen Strom. Die Zahl sollte aber schon sehr bald rapide steigen.
 
Die eigene Stromerzeugung war allerdings keine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte. Sie musste bereits 1912 wieder eingestellt werden. Fortan bezog Brühl seinen Strom vom Elektrizitätswerk Berggeist. Die elektrische Energie wurde durch sechs Transformatorenstationen, die in verschiedenen Stadtteilen gebaut worden waren, mit einer Spannung von 220 Volt übernommen und über Freileitungen an die Verbraucher verteilt. Die Stadt Brühl schloss mit der Berggeist AG einen Vertrag mit einer Laufzeit von zwanzig Jahren. Dadurch beschränkte sich die Tätigkeit der Stadtwerke auf die Niederspannungsversorgung und damit den Tarifkundenbereich. Die Großkunden aus Gewerbe sowie auch Industrie wurden vom Vorlieferanten direkt beliefert.
 

 
Freileitungen aus Kupferdraht
 
In den zwanziger Jahren wurden die letzten städtischen Gaslaternen durch elektrische Glühlampenleuchten ersetzt. Die Zahl der installierten Zähler stieg bis 1929 auf 2.105. Nach Ablauf des Vertrages im Jahr 1934 kaufte die nach der Eingemeindung von Vochem, Kierberg, Heide, Pingsdorf, Badorf, Eckdorf und Schwadorf inzwischen größer gewordene Stadt Brühl das in diesen Ortschaften vorhandene Niederspannungsnetz dem Elektrizitätswerk Berggeist ab. Der Vertrag wurde seitdem immer wieder auch mit dem Nachfolgeunternehmen RWE verlängert.
 
Im Laufe der Jahre gab es eine Reihe von Veränderungen. Zunächst bestand das Stromversorgungsnetz in Brühl ausschließlich aus Freileitungen, für die größtenteils Kupferdrähte verwendet wurden. Dieses Kupfer war in Krisenzeiten ein kriegswichtiges” Material, das in den Kriegsjahren ausgetauscht und durch Eisen- oder Aluminiumdrähte ersetzt werden musste. Ab den fünfziger Jahren wurde dann damit begonnen, auf Freileitungen zu verzichten und mehr und mehr Erdkabel zu verlegen.
 
Spannungsregulierung von Hand
 
Außerdem wurde es in dieser Zeit wegen der Technisierung der Haushalte, des Gewerbes und der Industrie notwendig, die Übertragungsfähigkeit des Stromnetzes zu erhöhen und gleichzeitig die Störanfälligkeit zu vermindern. Deshalb wurden im Niederspannungsbereich (220/380 Volt) nur noch kunststoffisolierte Kabel verwendet.
 

 
Apropos Störanfälligkeit: Die Spannungsregulierung zwischen Sommer und Winter erfolgte lange Zeit manuell durch den damaligen Elektromeister Michael Kohlenbach. Er beobachtete in den Wintermonaten die Reklamebeleuchtung der Firma Düster auf der Kölnstraße. Wenn diese anfing zu flackern, stellte er in der Trafostation Markt den Trafo von Hand eine Stufe höher. Es kommt eben immer auf das richtige Augenmaß an ...
 
In der nächsten Ausgabe des Brühler Bilderbogen berichten wir über die Entwicklung der Brühler Stromversorgung von den sechziger Jahren bis heute.