Jahrgang 2008
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Feuer machen ist weiter Grundlage

Natürlich brannte auch beim Jubiläum an der Kirche St. Stephan in Brühl ein Lagerfeuer, als dort die Pfadfinder der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) ihr Jubiläum feierten. Über 150 Mitglieder und Gäste begingen bei strahlendem Sonnenschein den Geburtstag des Stammes Kurfürst. Die Gruppe in Brühl wurde 1948 gegründet und ist damit der älteste Pfadfinderstamm der DPSG im Rhein-Erft-Kreis.

Mehr als 60 Mitglieder treffen sich in vier Gruppen und lernen dort immer noch viele klassische Pfadfindertechniken. „In den fünfziger Jahren wurde aber viel Wert auf formale Dinge gelegt, und die Pfadfindertechniken wurden in genau vorgeschriebenen Proben abgefragt und mit Abzeichen belohnt“, erklärte der 19-jährige Lukas Mönch.

Heute werden nur noch die Pfadfindertechniken gelernt, die die Pfadfinder dann auch brauchen. Natürlich gehört ein Feuer zu den Treffen der Pfadfinder, und das muss auch entzündet werden können. Auch Knoten müssen zum Abspannen der großen Zelte (Jurten) immer noch gelernt werden und der Umgang mit Karte und Kompass ist für die Wanderungen wichtig. Heute lernen die Pfadfinder diese Techniken ganz nebenbei, also „learning by doing“. Pädagogisches Ziel der Aktionen ist es, die jungen Menschen zur Selbständigkeit und Eigenverantwortung zu erziehen. Auch die typische „tägliche gute Tat“ ist nicht aus der Mode gekommen. Damit ist allerdings heute mehr gemeint, als das berühmte Beispiel einer „Oma über die Straße zu helfen“. Pfadfinder engagieren sich heute für die Gesellschaft, so wie die Gruppe der 10- bis 13-jährigen Brühler. Sie hatten sich im vergangenen Jahr in der Brühler Fußgängerzone ein umgebautes Fahrrad aufgebaut, durch das sie viele Passanten zum Energiesparen anregen konnten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Internationalität des Pfadfindertums. Bereits 1954 fand der erste Austausch mit englischen Jugendlichen statt, die Verständigung erfolgte damals noch mit Händen und Füßen. Spannend verlief eine Begegnung mit griechischen Pfadfindern, die der Wanderlust der deutschen Partner nicht viel abgewinnen konnten. Dafür wurde man unversehens zu einer Dorffeier eingeladen, bei der sich mehrere Schafe über dem offenen Feuer am Spieß drehten.

Die DSPG Brühl hat derzeit 60 Mitglieder in vier Gruppen, die von zehn ehrenamtlichen jungen Leitern betreut werden. Geleitet wird dieser „Stamm“ von Lukas Mönch, Stephan Nüsgen und Kaplan Dr. Meik Schirpenbach aus St. Margareta. Nach wie vor beliebt sind die zahlreichen Lager und Fahrten. Jedes Jahr gibt es ein Pfingstlager des gesamten Stammes. Diese findet immer zu einem bestimmten Thema statt. Dieses Jahr geht es auf den Spuren Karl Mays in die Eifel. Spielerisch in eine Indianer- und Cowboygeschichte verpackt, darf dabei das Geländespiel ebenso wenig fehlen wie das Stockbrot und die Gitarre am Lagerfeuer.

Im Sommer geht es regelmäßig auf große Fahrt. Führte diese in den fünfziger Jahren in der Regel in die Eifel oder bestenfalls nach Süddeutschland, geht es heute vor allem für die Älteren fast immer ins Ausland. In diesem Jahr war eine Gruppe bereits über Ostern in Marokko unterwegs. Neben der landschaftlichen Schönheit waren die Jugendlichen von der Gastfreundschaft der Marokkaner überwältigt, ständig wurden sie unterwegs zum Essen und zum Tee eingeladen. Die Pfadfinder hatten sich hier vorab über die wichtigsten kulturellen Unterschiede informiert, um nicht unbeabsichtigt ins Fettnäpfchen zu treten, zum Beispiel nicht mir der linken Hand zu essen, da diese als unrein gilt

Mitgenommen wird aber immer noch nur, was in den Rucksack passt. Handys und MP3-Player müssen zuhause bleiben. Gekocht wird gemeinsam und wenn möglich auf dem Feuer. Wenn eine Kindergruppe sein Essen vom Einkauf bis zur Zubereitung selbst organisiert hat, sind sie immer sehr stolz auf sich und genießen ihren Erfolg.

Egal ob bei Trekkingtouren in Norwegen oder Kanufahren in Frankreich ist der Reiz, sich in einer fremden Umgebung zurecht finden zu müssen, ein wichtiger Aspekt jeder Fahrt. Abseits der Touristenströme unterwegs zu sein, heißt auch, dass man sich das Essen im Tante-Emma-Laden und das Wasser für unterwegs und den Lagerplatz für die Nacht beim Bauern organisieren muss. Das ist auch für die Leiter ein spannendes Abenteuer, wenn der Mensch gegenüber nur Polnisch oder Kroatisch spricht.