Jahrgang 2014
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Brühler Bilderbogen Juli/August 2014

Liebe Leser,
na, haben Sie schon Entzugserscheinungen? Die Fußball-Weltmeisterschaft ist seit ein paar Tagen Geschichte und im Fernsehen laufen abends keine hochdramatischen Partien mehr mit Verlängerung und Elfmeterschießen. Der Alltag kehrt nach fast fünf Wochen Traumfußball und Feierei so langsam wieder ein. Was waren das für tolle Tage, in denen uns die deutsche Nationalmannschaft auf dem Fernsehsofa alles abverlangte. Sieben Spiele, eine Gala gegen Portugal, ein bisschen Rumpeln gegen Ghana und Algerien, zweckmäßiger Ergebnisfußball gegen die USA und Frankreich und dann das große Halbfinale mit der Sternstunde gegen Brasilien (7:1!!!) und dem abschließenden Fest gegen Argtentinien. Es hat alles gepasst, der vierte Stern ist da, und viele von uns können sich nun nach der anstrengenden Dauerfete mit einem „Wir sind Weltmeister“ in den wohlverdienten Urlaub verabschieden.

Auch das nächste Jahr wird wieder ein sehr interessantes für die Besucher der Alten Schlosserei des Marienhospitals in Brühl. Vier Einzelausstellungen aus den Bereichen der Malerei, Skulptur, Fotografie bis hin zu Installation und Künstlerbüchern wird der Brühler Kunstverein veranstalten. Ein Markenzeichen des Vereins ist, dass es sich dabei um jurierte Ausstellungen handelt. Einmal jährlich im Sommer trifft sich eine Auswahlkommission, die gewissenhaft entscheidet, welche Künstler ihre Werke im darauffolgenden Jahr zeigen dürfen. Für die Jury sei das eine anspruchsvolle Aufgabe. Denn sie muss dabei aus 80 bis 90 Bewerbungen vier Künstler auswählen, berichtet die Vorsitzende Gaby Zimmermann. Weitere Infos: www.bruehler-kunstverein.de

Die WM in Brasilien hat es erneut deutlich gezeigt. Die Menschen sind „onliner” denn je. Die Anzahl der Postings in den sozialen Netzwerken sprengten während des Finales alle Rekorde. Doch wie nutzen die Menschen das Internet noch? Informieren Sie sich dort auch über die kulturellen Angebote in Brühl? Wir haben uns in der Stadt umgehört.

 

Kira Wallmeroth:

Ich informiere mich online. Ansonsten spreche ich viel mit Freunden, mir fallen auch Plakate auf. Ich fand das Theaterfestival sehr schön, ich habe eine Vorstellung des Kleinen Theater Brühls besucht. Die Veranstaltungskalender nutze ich eher selten, die sind sehr unverbindlich.


„Viefalt der Themen ist so bunt wie das Alltagsleben“
Der Vormarsch der sozialen Netzwerke im Internet schreitet seit Jahren unaufhaltsam voran. So auch in Brühl. Was vor kurzer Zeit fast ausschließlich Teens und Twens als interaktive Kommunikationsplattform diente, wird heutzutage von Menschen jeden Alters genutzt. Seit einem Dreivierteljahr gibt es bei Facebook auch die Gruppe „Achtet auf Brühl!“, in der aktuelle Brühler Themen von mittlerweile über 500 Mitgliedern kontrovers diskutiert werden. Wir haben uns mit den Administratoren Susanne Breuer, Sonja Tillmann und Alexander Gonscherowski unterhalten.
Gerade Jugendliche finden es oft nicht amüsant, dass sich ihre Eltern, manchmal sogar auch ihre Großeltern bei Facebook, einem der bekanntesten sozialen Netzwerke, anmelden. Denn das Prinzip bei Facebook ist es, virtuelle Freundschaften zu schließen. Man meldet sich dafür bei Facebook an, legt seine persönliche Seite fest, die man mit Informationen zu seiner Person und auch Fotos füttern kann. Und dann sucht man nach Freunden und stellt per Mausklick Freundschaftsanfragen. Wenn diese bestätigt werden, können diese Freunde die eigene Seite besuchen und sich informieren. Es können Bewertungen über Fotos, das berühmte „Daumen hoch“-Symbol auf Freundesseiten abgeben werden oder auch Gespräche im Frage-Antwort-Stil stattfinden. Dabei kann sehr genau unterschieden werden, wer was zu sehen bekommt.

„ZOOM Open Air – Die schönsten Nächte des Jahres!”
28 Jahre Open Air Kino in Brühl, damit zählt ZOOM mit zu den Vorreitern der Open Air Kinos in Deutschland. Seit über 20 Jahren hat das ZOOM Open Air mit dem historischen Innenhof des Brühler Rathauses einen festen Standplatz. Jahr für Jahr freuen sich tausende Besucherinnen und Besucher auf die Freiluft-Filmveranstaltungen. In diesem Jahr gibt es in der Zeit vom 7. bis zum 23. August insgesamt neun Filmnächte mit 922 Minuten Film. Wir haben uns mit Hans-Jörg Blondiau vom ZOOM Team unterhalten.

BBB: Herr Blondiau, das ZOOM Open Air hat sich seit Jahrzehnten seinen festen Platz im Brühler Kulturkalender gesichert. Was erwartet die Zuschauer bei der 28. Auflage der Erfolgsgeschichte?
Hans-Jörg Blondiau:
Auch im 28. Jahr vertrauen wir auf die immer weiter perfektionierte und bewährte Art unseres Open Airs. Es wird aber auch einige kleinere Neuerungen geben. So zeigen wir in diesem Jahr jeden Abend einen individuellen Kurzfilm, der auf den folgenden Hauptfilm abgestimmt ist. Es werden einige neue Kurzfilme dabei sein, die noch nie in Brühl gelaufen sind, und auch Klassiker des Kurzfilms wie „Der Hahn ist tot“. 

Schauspiel, Kamera, Schnitt – was sonst nur neben der Schule erworben werden kann, wird fest in den Schulunterricht des Karl-Schiller-Berufskolleg integriert. Das Jugendkulturhaus Passwort CULTRA wird nach und nach Lehrer in medienpädagogischen Inhalten schulen. Ein erster Baustein waren vier Projekttage des Literaturkurses im Passwort CULTRA. Kürzlich wuden mit der Unterstützung professioneller Filmemacher zwei Kurzfilme realisiert. Die 24 Schüler des Literaturkurses der 11. Jahrgangsstufe wurden von zwei Schauspielern, zwei Filmemachern und einer Editorin des professionellen CULTRA Teams gecoached und gefordert. Die Schauspieler erarbeiteten mit den Schülern im improvisierten Spiel auf der Bühne das Skript der beiden Filme. Auch in Kameratechnik wurde von Aufnahmeeinstellungen über Blickwinkel bis zu Zoom nichts ausgelassen. Die Editorin brachte den Schülern bei, was bei der Aufnahme schon zu beachten ist, um den Film am Ende gut schneiden zu können. Zwei der Projekttage wurden letztlich für die Postproduktion genutzt, in denen die Teilnehmer des Literaturkurses die Filme selber schnitten.

Das Projekt ist der erste Baustein, um medienpädagogische Inhalte in den kommenden drei Jahren in den Schulalltag des Karl-Schiller Berufskolleg zu integrieren. „Bei den von uns ausgerichteten Medienprojekten haben wir sehr positive Erfahrungen gemacht, denn Filme nicht nur schauen, sondern selber machen, ist eine neue Erfahrung für die Jugendlichen“, so Sarah Taucher, Beauftrage für Schulkooperationen im CULTRA. „Toll, dass eine Schule das jetzt auch in den normalen Schulalltag integriert.“

Vier Künstler zeigen vier Werke
Vier Künstler der Interessengemeinschaft Brühler Künstler zeigen bis zum 20. Juli je vier Arbeiten in der Brühler Rathausgalerie. Iracema Horn, Barbara Nitsche, Frank Oehlmann und Kumi Sahota haben sich mit neun anderen Mitgliedern der IG für diese Ausstellung beworben und sie wurden von einer unabhängigen Jury, bestehend aus kunstinteressierten Brühler Bürgern, ausgewählt. Die vier sehr unterschiedlichen Positionen der Künstler ergänzen sich zu einer gegensätzlichen, aber doch auch in sich harmonischen Schau in der städtischen Galerie, die seit einigen Wochen wieder von Brühler Kunst- und Kulturschaffenden genutzt werden kann. Ausgestellt werden Malerei, Zeichnungen, Objektbilder und Skulpturen.

Iracema Horn stellt Arbeiten (Öl/Lwd.) vor, die sich auf Graffiti in Lissabon beziehen. Ihre Werkgruppe „Lisboa“ entstand in einem längeren Prozess. Die Künstlerin, seit einigen Jahren in Brühl ansässig, hat eine Zeitlang in der portugiesischen Hauptstadt gelebt. Im Jahr 2000 produzierte sie die Wandmalereien zusammen mit anderen. Bei späteren Portugalaufenthalten hat Iracema Horn die Entwicklung dieser Wandmalereien dokumentiert. In einem aufwändigen Arbeitsprozess  entstanden dann die aus mehreren Schichten bestehenden Gemälde.
Die gebürtige Brühlerin Barbara Nitsche zeigt vier Skulpturen, jeweils aus unterschiedlichem Material. Bei der Bildhauerei ist der Künstlerin der sensible Umgang mit dem Material wichtig. Sie lässt sich von der Ausgangsform anregen und geht in einen Dialog mit dem Stein.
Saturnalien – Bleiverkratzungen – nennt Frank Oehlmann die Serie seiner Objektbilder. Durch Kratzen, Ritzen und Zeichnen in die weiche Oberfläche des Bleis entstehen Bewegung und Dynamik. Ihm geht es darum, die Tiefe der Dinge zu entdecken; es geht um deren Auslotung und das Überschreiten ihrer Grenzen, wenn er sich in seiner Kunst auf „Forschungsreisen im Universum des Alltäglichen und Banalen“ begibt.
Die Japanerin Kumi Sahota ist erst vor Kurzem Mitglied der Interessengemeinschaft geworden. Sie studiert an der Alanus Hochschule in Alfter Bildhauerei, präsentiert aber in der Brühler Ausstellung großformatige Tuschezeichnungen in Schwarz-Weiß auf Leinwand und Papier. Anregungen aus dem Mikrokosmos überträgt sie ins Überdimensionale. Die an Zellstrukturen erinnernden Formen haben ihren Ursprung in der Auseinandersetzung mit der Krebserkrankung ihres Vaters. Doch mittlerweile geht es ihr mehr um die strukturelle und geistige Verbundenheit der Dinge.
Die Ausstellung ist täglich von 11 bis 13 Uhr sowie von 15 bis 18 Uhr. Beendet wird sie am Sonntag, den 20. Juli um 15 Uhr mit einer Finissage.

Kürzlich stand wieder der jährliche Wechsel des Präsidentenamtes im Lions Club Brühl an. Diese ehrenamtliche Aufgabe übernahm Sven Verheugen, der damit Joerg-Robert Nagel ablöste. Sven Verheugen ist seit 2008 Mitglied im Lions Club Brühl. Im Berufsleben ist der gelernte Diplom-Kaufmann Bankier und als Vorstandsvorsitzender der Brühler Bank eG tätig. Er ist verheiratet und hat eine dreijährige Tochter.

Als wichtigste Aufgabe für sein Amtsjahr hat er sich vorgenommen, die freundschaftliche Verbundenheit der Mitglieder zu vertiefen und durch neue Mitglieder zu verstärken, um so die gemeinnützige Arbeit des Clubs langfristig zu sichern. Neben den bekannten Lions-Aktivitäten (Adventskalender-Verkauf und Sommerliches Musikfest) soll die seit vielen Jahren bestehende Jumelage mit dem Lions Club in Brühls Partnerstadt Sceaux weiter gepflegt werden.

Bernhard Münch berichtet aus dem Archiv von Jakob Sonntag (1902-1991)

Vor 285 Jahren
Grundstein für Schloss Falkenlust

Am 16. Juli 1729 legte seine Eminenz Clemens August persönlich den Grundstein für das kurfürstliche Lustschlösschen Falkenlust. Der frühere Münchener Hofbaumeister, der Wallone Francois de Cuvilliés hatte die Leitung des Bauprojektes und zeichnete auch für Pläne und Gestaltung verantwortlich. Nach einer Bauzeit von zwölf Jahren konnte das bis zum heutigen Tage in seiner ursprünglichen Form noch erhaltene Schmuckstück des Rokoko endgültig seiner Bestimmung übergeben werden. Bereits weit früher, aus dem Jahre 1735 ist überliefert, dass seine kurfürstliche Durchlaucht die gesamte Brühler Schützenbruderschaft aus Anlass seiner vierten Schützenkönigschaft „an der Falkenlust mit fürstlicher Tafel“ bewirtet hatte.

Vom 24. Juli bis zum 5. August zeigt Apollonia Harwarth Malerei und Zeichnung in der Rathausgalerie Brühl (Uhlstraße 2). Jüngere, noch nie der Öffentlichkeit präsentierte Ölgemälde, Acrylbilder und Tuschezeichnungen sind in der Ausstellung zu sehen. Die 25 ausgewählten und fast alle in den letzten zwei Jahren entstandenen Arbeiten vertreten zwei wichtige Interessenschwerpunkte der Kunst von Apollonia Harwarth: Erde und Meer.
Die Brühler Künstlerin interpretiert hier Naturmotive poetisch und mehrdeutig: Figürlich wirkende Formen gehen in surrealistisch anmutende Kompositionen über. Wie das Zitat in der Einladungskarte suggeriert (André Gide: „Wenn wir uns darauf einigen könnten, dass ein Künstler nichts zu erfinden brauchte“), geht es in dieser Malerei zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion eben um die Gratwanderung zwischen aufmerksamer Beobachtung und phantasievollen Assoziationen. In die rätselhaften Welten von Apollonia Harwarth führt die Kunsthistorikerin Dr. Donatella Chiancone-Schneider mit einer Rede anlässlich der Ausstellungseröffnung am Mittwoch, 23. Juli, um 19 Uhr ein. Die Ausstellung „Erde und Meer – Lied der Natur und des Zufalls, Malerei und Zeichnung” ist täglich von  10 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr sowie , samstags von 10 bis 13 Uhr zu sehen. Die Vernissage ist am Mittwoch, 23. Juli um  um 19 Uhr.

Mitten in der Urlaubszeit am Sonntag, den 27. Juli um 17 Uhr nimmt Bertold Seitzer, Kreiskantor im Kirchenkreis an der Ruhr, seine Zuhörer in der Evangelischen Christuskirche, Mayersweg 12, mit auf eine musikalische Reise ans Meer. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich regionale Besonderheiten am Instrument Orgel und damit verbunden in  den Orgelkompositionen entwickelt. Man spricht von Orgellandschaften. Als größter deutscher Komponist, der für die Orgel geschrieben hat, gilt noch immer Johann Sebastian Bach. In seinen Werken finden sich aber auch immer wieder Einflüsse italienischer und französischer Stilmittel und Bezeichnungen.

Bertold Seitzer stellt Kompositionen von Bach mit jenen der italienischen und spanischen Orgelkomposionen gegenüber. Der Eintritt zu dem Konzert ist frei, um eine Spende wird gebeten.

Das Präsidium der Europäischen Fachhochschule (EUFH) wurde um einen Vizepräsidenten für Postgraduales Studium erweitert, weil die Hochschule inzwischen immer mehr Studierende in berufsbegleitenden Masterprogrammen betreut und zunehmend auch außerhalb der Studiengänge verschiedene Weiterbildungen anbietet. Neues Mitglied des Präsidiums ist deshalb Prof. Dr. Rainer Paffrath, Dekan des Fachbereichs Wirtschaftsinformatik/ Wirtschaftsingenieur. Der Logistik-Professor Dr. Rolf Ibald ist neuer Vizepräsident für Forschung und Transfer.
„Unsere Geschäftswelt verändert sich ständig und sehr schnell. Deshalb kann sich heutzutage niemand mehr lange alleine auf das Wissen aus seinem Studium verlassen“, betont Professor Paffrath die Vorteile des dualen Studiums.

(tg) Reiner Borowski wurde 1961 in Ludwigsburg geboren und verbrachte die ersten zehn Jahre seines Lebens im Schwabenland. Dann zog die Familie nach Brühl. Nach seinem Abitur studierte er in Köln und Basel Psychologie. Seit 1990 hat er seine psychologische Praxis in Brühl. Er ist liiert mit der Künstlerin Katharina von Koschembahr, hat einen erwachsenen Sohn und eine Ziehtochter.
Zur Kunst kam Reiner Borowski über das inzwischen leider verstorbene Brühler Künstlerehepaar Edith und Dieter Reick. „Sie erlaubten uns als Kindern damals, die Wände ihres Haus bei einem Kindergeburtstag zu bemalen“, erinnert sich Reiner Borowski. „Sie waren für mich Vorbilder als Menschen und als Künstler.“ Die Kunst ließ ihn nicht mehr los. Neben seiner Arbeit hat sich Reiner Borowski so in Brühl in den letzten 15 Jahren vor allem auch als Ausstellungsmacher und Förderer von Künstlern einen Namen gemacht. Er stellte Künstler wie Ekkehard Drefke, Katharina von Koschembahr und andere aus. Er organisierte u.a. zusammen mit der Kanzlei Felser die Ausstellung „Geh Indisch“, aktuell hängen seine „Sonnenblumenbilder“ als Dauerausstellung im Restaurant Ocakbasi auf der Uhlstraße.