Jahrgang 2014
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„Der Weihnachtsgottesdienst wird im WDR übertragen“
Renate Gerhard freut sich. Die evangelische Pfarrerin liebt die Adventszeit und das Weihnachtsfest und stürzt sich enthusiastisch in die damit verbundene Arbeit, die sie aber nicht als solche empfindet. Als wir sie fragen, wann sie denn das letzte Mal an den Weihnachtstagen komplett frei hatte, sagt sie nur lächelnd: „Das würde ich gar nicht wollen. Und ich weiß es gar nicht mehr. Seit dem Kindergarten bin ich Weihnachten immer gerne im Gottesdienst gewesen. Später habe ich auch Flöte gespielt und immer dezent darauf hingewiesen, dass ich gerne zur Verfügung stehe, falls irgendwo noch eine Flötenspielerin für einen Gottesdienst gesucht würde.“ Renate Gerhard liebt ihren Beruf, der für sie gleichzeitig eine Berufung ist.

Seit elf Jahren lebt die 53-Jährige evangelische Pfarrerin Brühl. Sie ist für den 1. Pfarrbezirk mit seinen rund 3.000 Gemeindemitgliedern verantwortlich. Dieser umfasst Brühl-Zentrum, Brühl-Ost, Schwadorf und Walberberg. Sie wohnt in der Comesstraße nur einen Steinwurf von der Christuskirche entfernt, in der sie die meisten Gottesdienste feiert. An Heiligabend ist sie gleich fünf Mal im Einsatz. Mittags besucht sie die Pflegestation des Seniorenwohnheim Wetterstein und erlebt dort „sehr bewegende Momente“. Anschließend spricht sie im großen Festsaal des Wettersteins geistliche Worte. Um 15:30 Uhr findet dann der Familiengottesdienst in der meistens bis auf den letzten Platz gefüllten Christuskirche statt. Dabei gibt es auch ein Krippenspiel mit Kinderchor. Um 18 Uhr gibt es den Festgottesdienst mit Orgelmusik. Den Heiligabend beschließt um 23 Uhr eine besinnliche und meditative Christmette.

Am 1. Weihnachtstag muss Renate Gerhard nicht arbeiten, dafür wieder am 2. Weihnachtstag, an dem in diesem Jahr ein besonderer Gottesdienst stattfindet. Denn der Gesamtgottesdienst um 9:45 Uhr wird von WDR 5 und den angeschlossenen Sendern in ganz Norddeutschland im Radio übertragen. „Dieses Ereignis wirft seine Schatten voraus“, schmunzelt Renate Gerhard, die selbst nicht genau weiß, wie man auf sie gekommen ist. „Es hat wohl einen Tipp gegeben.“ In der Woche vor Heiligabend wird ein Probelauf in der Christuskirche durchgeführt. Die lithurgischen Abläufe werden abgestimmt, der Zeitplan festgelegt, der Rundfunkbeauftragte der Kirche wird dabei sein. Es wird spannend. „Ich hoffe, dass die Kirche richtig voll wird und wir aus Brühl einen strahlenden Klang in das Land hinausschicken“, sagt die Pfarrerin, die die ungewohnte Prozedur mit der Gelassenheit einer langjährigen Berufserfahrung angeht.

„Erwartung und Erinnerung”

Denn erst vor wenigen Wochen feierte Renate Gerhard am 2. November ihr silbernes Ordinationsjubiläum. Gelassen geht sie ihrem Beruf nach, Routine ist er nicht. „Die Begegnung mit Menschen kann nicht Routine werden, andere Menschen ergeben andere Situationen“, sagt sie. Vor elf Jahren kam sie nach Brühl, nachdem die gebürtige Dormagenerin zuvor zehn Jahre an der Kreuzkirche in Bonn wirkte. „Ich wurde sehr offen in Brühl aufgenommen. Es ist einfach gewesen, in Brühl anzukommen“, erinnert sie sich.
Renate Gerhard mag die Adventszeit, die sie bewusst nicht Vorweihnachtszeit nennt. „Es ist die Zeit des Wartens, eine stille Zeit. In diesen Tagen nehme ich mir bewusster Zeit zur Meditation. Advent steht für Erwartung und Erinnerung“, erklärt sie. Statt sich vom Kommerz mitreißen zu lassen, lässt sie es ruhig angehen. „Ich genieße die Zeit und zünde an jedem Advent eine Kerze an und nicht gleich alle auf einmal. Ich nehme nichts vorweg, ich warte und halte mich zurück. Es kommt noch etwas. Ich genieße es sehr bewusst. Weihnachten geschah das Wunder. Gott ist als Mensch zu uns gekommen. Auch in Not und Leid hat er geteilt und uns dadurch seine Liebe, die keine Grenzen kennt, gezeigt. Er wurde im Stall geboren und ist am Kreuz gestorben. Das sollen die Menschen durch uns erfahren dürfen.“

In den Tagen vor, während und nach Weihnachten finden viele spannende Veranstaltungen in der Gemeinde statt. Am 14. Dezember gibt es in der Christuskirche um 17 Uhr „Musik und Lesungen“. „In der Kirche wird es dunkel sein, nur Kerzen spenden Licht, dazu gibt es Musik und alte adventliche Texte“, kündigt Renate Gerhard an. Am 21. Dezember wird an gleicher Stelle um 16 Uhr ein Weihnachtsoratorium für Kinder aufgeführt. Auch das Silvesterkonzert am 31. Dezember um 22 Uhr in der Christuskirche verdient Beachtung. Im neuen Jahr dürfte am 10. Januar um 17 Uhr die „Taschenlampenführung für Kinder“ durch die Christuskirche interessant werden, am 18. Januar wird um 17 Uhr in der Johanneskirche „Nussknacker und Mausekönig“ gezeigt, eine ganz besondere Märchenstunde.

Spendenaktion zugunsten der neuen Lichttechnik
Die evangelische Kirche in Brühl mit Renate Gerhard und ihren beiden Kollegen, den Pfarrern Wilhelm Buhren und Stefan Jansen-Haß, bietet, wie man sieht, ihren Gemeindemitgliedern von jung bis alt ein umfangreiches Angebot verschiedenster Aktivitäten an. Gottesdienste, Bibelkreise, Taufvorbereitungsseminare und vieles mehr stehen auf dem Programm. Renate Gerhard mag es, bei ihren Veranstaltungen kirchliche und weltliche Themen, Spiritualität und Kultur miteinander zu vermischen. Auch Diskussionen über ernste Themen wie die Sterbehilfe werden aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und mit Seelsorgern, Ärzten oder Juristen diskutiert.
Ein besonderes Anliegen ist für die Pfarrerin in diesen Tagen auch die Spendenaktion zugunsten der neuen Lichttechnik in der Christuskirche, die notwendig wird und kurzfristig mehr Geld kosten wird, als vorhanden ist. Die Kirche wird gegenwärtig renoviert. „Wir bieten Dinge zum Verkauf an wie etwa gerahmte Bilder mit Weihnachtssprüchen und schönen Motiven. Auch Windlichter zum Preis von zwei Euro mit Motiven aller evangelischen Kirchen in Brühl können gerne erworben werden“, hofft Renate Gerhard auf regen Absatz. Im November startete dieses Projekt erfolgreich mit einer „Nacht der Lichter“ mit dem Stelzentheater Pantao, dem Orgel-Trompetenduo Zia und großartigen Jazzimprovisationen. Weitere Aktionen sind geplant, damit die Christuskirche auch weiterhin im schönsten Glanz strahlt. Zu Weihnachten und auch an allen anderen Tagen des Jahres.
Tobias Gonscherowski