Jahrgang 2017
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Seit 1993 werden die „World Dwarf Games” alle vier Jahre ausgerichtet. Bei der siebten Auflage dieser Spiele für kleinwüchsige Menschen nahm vor wenigen Wochen in Kanada auch erstmals eine aus 16 Teilnehmern bestehende deutsche Mannschaft teil. Mit großem Erfolg. Denn die 16 Athleten holten 22 Medaillen. Besonders erfolgreich schnitt der Brühler Furkan Altun ab, der drei Gold- und zwei Bronzemedaillen gewann. Der Brühler Bilderbogen hat ihn besucht.

Furkan Altun strahlt immer noch über das ganze Gesicht, wenn er an die siebten World Dwarf Games im kanadischen Guelph vor den Toren Torontos zurückdenkt. Anfang August ist er nach Kanada gereist, um sich seinen großen Traum zu erfüllen. „Einmal den Adler auf der Brust tragen und für Deutschland bei internationalen Spielen dabei sein, das war eines meiner großen Ziele”, sagt der 26-Jährige, der in mehreren grundverschiedenen Sportarten zu den Besten zählte.

Um überhaupt an den World Dwarf Games (WDG) teilnehmen zu können, mussten die Teilnehmer der deutschen Delegation eigeninitiativ tätig werden. Denn Unterstützung gab es keine. Weder organisatorische, noch finanzielle. Die Athleten musten alles selbst stemmen und die Kosten für Reise, Verpflegung und Unterkunft übernehmen. „Wir arbeiten daran, auch bald vom Bundesministerium für Inneres und Sport oder vom Deutschen Olympischen Sportbund unterstützt zu werden”, sagt Furkan Altun. Schließlich werden u.a. auch die Teilnehmer der Paralympics gefördert. Warum dann nicht auch die Kleinwüchsigen?
So flogen die deutschen Athleten nicht im Team, sondern individuell nach Kanada. Zuvor hatte sich die Fußballmannschaft zweimal getroffen, um sich auf das Turnier vorzubereiten, bei dem sie und vor allem Furkan Altun für Furore sorgen sollten.

Im Finale 3:0 gegen die USA
Denn Deutschland holte in einem Mamutturnier mit acht Spielen den Titel. Im Finale gewann die deutsche Sieben (gespielt wurde mit sieben Spielern auf Halbfeldern und kleineren Toren) mit 3:0 gegen die USA. Zwei Treffer steuerte Furkan Altun bei, insgesamt erzielte der Mannschaftskapitän 25 der 41 Tore der deutschen Mannschaft. Ein herausragender Wert, der nicht von ungefähr kommt. Denn der Goalgetter kickt für den SC Kalscheuren in der Kreisliga, nachdem er vorher für Gruhlwerk aktiv war.
Furkan Altun spielt dabei bei den „Großen” mit und hat sich bereits als schussstarker Spieler einen Namen gemacht, nachdem er anfangs noch wegen seiner Körpergröße von 1,30 Meter doch vielleicht etwas belächelt und unterschätzt wurde. Doch zurück nach Kanada. „Wir waren das erste Mal als ‚Team Deutschland‘ dabei, die Aufregung war sehr hoch. Schon beim Einlaufen haben wir die Stärke der anderen Mannschaften gespürt. Die USA ist gleich mit 150 Sportlern angetreten, Großbritannien mit rund 80 Athleten“, sagt der Deutsche türkischer Abstammung.
Im Fußball gewann Furkan Altun eine seiner fünf Medaillen. Außerdem holte er Gold in seiner Klasse in 100 Meter (in 14 Sekunden) und 200 Meter Sprint. In den Disziplinen Tischtennis und Volleyball sicherte er seinem Team eine Bronze-Medaille. „Es war eine tolle Erfahrung und ein riesiger Erfolg für uns. Wir bereiten uns bald schon für die nächsten WDG vor. Noch ist unklar, wo sie das nächste Mal stattfinden, aber wir wissen, dass wir in Kanada Geschichte geschrieben und große Spuren hinterlassen haben“, erklärt der vielseitige Athlet stolz.



Erfolgreich in vielen Disziplinen
Die WDG bieten Kleinwüchsigen die Möglichkeit, sich auf gleichem Level in verschiedenen Sportarten zu messen – von Fußball über Leichtathletik hin zu Bogenschießen und Basketball. Abhängig von Sitzhöhe, Armspannweite und Größe treten die Sportler in drei Klassen in Einzelsportarten gegeneinander an.
Furkan Altan hatte vor Beginn der Spiele den Zeitplan genau studiert und sich bei so vielen Disziplinen wie möglich angemeldet. Manche waren ihm sehr vertraut, andere weniger. Wie etwa Floor Hockey oder das Armburstschießen, das das Brühler Multitalent aber ebenfalls meisterte und am Ende eine Platzierung in den Top 5 erreichte. Der Sport nahm im Leben des 26-Jährigen schon immer eine herausragende Rolle ein. Dabei wurde er durch seine Kleinwüchsigkeit auch nicht übermäßig eingeschränkt. Jeder Teilnehmer der WDG musste ein ärztliches Attest vorweisen, das die Fitness und Sporttauglichkeit bestätigte. Furkan Altun leidet unter der akromesomelen Dyspalsie, einer seltenen angeborenen Wachstumsstörung, die ihn aber nicht am Sport hindert. Regelmäßig spielt er Fußball, mehrmals in der Woche geht er nach Feierabend – er arbeitet in Köln als Medien Designer – zudem zum Kickboxen.



„Wir brauchen mehr Aufmerksamkeit”
In Kanada erlebte er eine wunderbare Zeit. „Am meisten hat mich unser Teamgeist und Zusammenhalt bewegt”, sagt Furkan Altun. „Es steckte viel Eigeninitiative dahinter, überhaupt an den WDG in Kanada teilzunehmen.” Die vielen positiven Erfahrungen und Begegnungen motivieren ihn nun, sich noch mehr für die Belange der Kleinwüchsigen einzusetzen. „Wir brauchen noch mehr Aufmerksamkeit und vor allem Förderung von offizieller Seite.” Mit den Behörden hat er bereits Kontakt aufgenommen. Sportler anderer Staaten werden bereits gefördert und gesponsert. „Umso größer ist unser Erfolg in Kanada einzuschätzen“, freut sich der Brühler Sportler, der hofft, dass die WDG in absehbarer Zeit auch in Deutschland stattfinden. Das nächste europaweite Großereignis steigt im kommenden Sommer in Birmingham in England. Den Termin hat sich Furkan Altun in seinem Kalender dick angestrichen.

Die entstandenen Freundschaften zu den Athleten anderer Länder will er auch pflegen. Eine Einladung der holländischen Fußballer zu seinem Besuch und einem Spiel in unserem Nachbarland wurde bereits angenommen. Dank ihrer großen Erfolgen beim WDG-Fußballturnier hat sich die deutsche Mannschaft nun einen Namen gemacht. In Guelph besiegte sie mit England und den USA die Sieger der letzten beiden Turniere. Das Besondere an dem Event war, dass die Fußballer in Kanada sieben Partien an einem Tag bestreiten mussten. Von morgens bis abends waren sie im Einsatz, ein Vorrundenspiel dauerte zweimal 12 Minuten. Das Finale vier Tage später ging dann über zweimal 25 Minuten. „Wir waren die laufstärkste Mannschaft und einfach gut”, sagt Furkan Altun, der sicherheitshalber eine deutsche Fahne mit nach Kanada genommen hatte, die dann auch eifrig geschwenkt wurde. Es ist den kleinwüchsiegn Athleten sehr zu wünschen, dass ihr Ruf nach Förderung gehört wird, damit das tolle Abschneiden in Kanada kein einmaliges Erlebnis bleiben muss.
Tobias Gonscherowski