Jahrgang 2017
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Brühler Bilderbogen September 2017

 

Bernhard Münch berichtet aus dem Archiv von Jakob Sonntag (1902-1991)

Vor 440 Jahren
Kurfürst tritt zurück

Die Stimmung im kurfürstlichen Schloss zu Brühl am 13. September 1577 mag vergleichbar gewesen sein mit derjenigen im Vatikan am 11. Februar 2013. Vor nun gut viereinhalb Jahren gab Papst Benedikt XVI. während eines Konsistoriums bekannt, zum 28. Februar 2013 auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, zu verzichten. Die Nachricht verbreitete sich in Minuten rund um den Erdball und stellte alles andere in den Schatten.
Ähnliches geschah vor 440 Jahren auch hier in Brühl: Kurfürst Salentin Graf von Isenburg, hatte eine außerordentliche Sitzung der Kölner Landstände in seiner Brühler Residenz einberufen. Nach einer nunmehr zehnjährigen Amtszeit auf dem Kurstuhl teilte er der völlig erstaunten Versammlung seinen Rücktritt mit. Führte Papst Benedikt 2013 aus, er sei zur Gewissheit gelangt, dass seine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet seien, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben, so hatte der Kölner Erzbischof und Kurfürst allerdings ganz andere Gründe. Salentin hatte als Kurfürst die höheren Weihen noch nicht empfangen, war somit noch ein weltlicher Regent. Da er einer der letzten männlichen Vertreter seines Geschlechtes war, hatte er sich dazu entschlossen, beim Papst die Erlaubnis zur Heirat zu erbitten, um den Fortbestand des Namens derer von Isenburg zu sichern. Diese Erlaubnis wurde ihm vom Heiligen Vater erteilt. Als verheirateter Mann hätte er nun aber die höheren Weihen der katholischen Kirche nicht mehr empfangen können, was ihn zu seinem Rücktritt bewog.
Dies war ein schwerer Schlag für den Kurstift Köln, denn Salentin hatte sich in den zehn Jahren seiner Regentschaft große Verdienste und großes Ansehen erworben. Er straffte die Verwaltung und ordnete die Finanzen. Es gelang ihm, die auf dem Erzstift lastenden Schulden weitgehend zu tilgen, und auch für Brühl war sein Wirken segensreich: er hatte das inzwischen baufällige Brühler Schloss mit großem Aufwand wiederherstellen lassen.